ASTRID GRAUER *  1964. Studium an der Pädagogischen Hochschule Dresden Kunsterziehung. Seit 1988 Pädagogin an Gymnasien.

„Astrid Grauer malt und zeichnet neben ihrem Beruf leidenschaftlich - nicht nur was ‚FRAU’ betrifft, sondern auch romantische und lyrische Landschaften aus Mitteldeutschland, stille von der Hektik unbetroffene Winkel, Häuser und Dorfansichten. Obwohl sie im Jahr 2000 Projektleiterin eines landesweiten Workshops mit dem von ihr sehr verehrten Prof. Jörg Immendorff war, wollte sie ihre eigenen Arbeiten eigentlich nicht in die Öffentlichkeit bringen und so dauerte es noch drei Jahre bis sie sich zur ersten Präsentation in ihrer Heimatstadt Strehla durchgerungen hatte.
Astrid Grauer sagt wenig über sich, muss sie auch nicht, denn ihr Sprachrohr ist das Bild mit FRAU. Damit und dadurch provoziert sie auf Ausstellungen in den letzten Jahren die Männlichkeiten; zuerst erblickt der Betrachter rosig nackte Lieb- und Leiblichkeit mit roten Haaren, die denen der Künstlerin gleichen. Aber das ist nur oberflächlich gesehen, denn hinter dem Sichtbaren verbirgt sich ein Unsichtbares, welches wirklicher ist als ihre sichtbare Bilderwelt. FRAU ist nicht allein, sondern bedrängt von vielerlei Getier, Vögel und Fische, beobachtet durch alles sehende Augen, die sich nicht verschließen und jegliche aufkeimende Intimsphäre unterdrücken, verbieten. FRAU wandelt sich zum Psychodrama und Parallelen zum Werk von Frida Kahlo finden sich. Schmerz, Leid bis zur Selbstverstümmelung werden sichtbar und manches Mal nachfühlbar. FRAU zeigt sich als Zerrbild zur Gleichberechtigung, als Mahnung gegen Unterdrückung, macht die Nähe der rosig nackten Lieb- und Leiblichkeit zum Suizidalen begreifbar. Astrid Grauer führt mit ihren Bildwerken die jahrtausende alte Tradition der Bilderzählungen für unsere Zeitgeschichte fort, die begannen als Steinmetzarbeiten in den Pyramiden von Krieg, Inzest, Mord und Macht zu berichten, dem in Stein verewigten Kamasutra, den mittelalterlichen Tafeln zu den Bänkelgesängen. In jüngeren Jahrhunderten lernte die Menschenmasse lesen und fand unbebildert und vorgedacht in Romanen, wie die des Marquis de Sade, Gräuel zum Erhitzen der Fantasie.
Unbeantwortet bleibt die unausgesprochene Frage: wie nah kommt die rosig Nackte ihrer Schöpferin?, denn wer käme auf die Idee einem Autor die gleiche Frage zu stellen?“ (aus Meisterwerke Künstler unserer Zeit 2009)